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Cornelia Wüst Blog

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Coaching – komplex, vernetzt, anspruchsvoll

Coaching hat sich über die Jahre zu einer eigenständigen Dienstleistung entwickelt. Gecoacht wurde auch früher schon, aber keine Führungskraft wollte es so richtig zugeben, wer der heimliche Unterstützer im Hintergrund ist. Heute hat Coaching in der Führungskräfteentwicklung seinen festen Platz erobert, ist kaum noch wegzudenken, geht es um die individualisierte Förderung und Entwicklung. Dabei sind die Themen so vielfältig wie die Aufgaben einer Führungskraft – komplex, vernetzt, anspruchsvoll.

Die Zahl der Coaches und deren Angebote haben sich dynamisch diesem Bedarf angepasst und heute gibt es ein kaum zu überblickendes Angebot. Praktisch im Schnell-Durchlauf erfolgt die Ausbildung innerhalb weniger Wochen. Häufig sehr methodenlastig, auf Standardmodule reduziert, soll dann die Umsetzung in der Praxis erfolgen. Vergessen wird häufig, dass es sich bei Klienten um Menschen handelt, die in ihrer Einzigartigkeit erst einmal erfasst werden möchten. Klienten, die einen Sparringspartner und auch Projektionsfläche suchen und benötigen, um mehr Klarheit über sich und ihre Möglichkeiten zu erfahren. Der Wunsch nach Veränderung, Entwicklung, persönliches Wachstum ist daher die häufigste Hoffnung im ersten Kontakt. Ein Coach, der auf schnelle Verhaltensintervention ausgebildet ist, manchmal die Antwort. Dabei geht es nicht darum, kurzfristige Effekte zu erzielen. Denn ein Coaching, das lediglich das Verhalten analysiert und Verhaltensoptionen aufzeigt, ist selten erfolgsversprechend, schon gar nicht auf lange Sicht.

Denken, Reden, Rationalisieren

Führungskräfte scheinen es geradezu in ihrer DNA zu haben, den Führungs-Herausforderungen am Arbeitsplatz mit Denken, Reden, Rationalisieren zu begegnen. Besonders rhetorisch versierte Kunden können bis zur Unkenntlichkeit der Fragestellung wortreich ihren Coaching-Anlass intellektualisieren, rechtfertigen und versuchen so, von ihren eigentlichen Motiven und Gefühlen abzulenken. Dabei zeigen neueste Erkenntnisse aus der Neurobiologie, dass diese Rechnung nicht aufgeht: Ohne Aktivierung der Gefühlswelt, ohne Emotion, ist dauerhaft keine Veränderung möglich. Erst wenn es gelingt, im Coaching-Prozess beide Synapsen neurologisch verbunden wurden, ist es wahrscheinlicher, dass die angestrebte Veränderung auch Realität werden kann. Das Coaching-Ergebnis bleibt sonst auf der Ebene von Absichten und Vorsätzen, die bereits nach wenigen Wochen schon wieder Makulatur sind.

Ein nachhaltig arbeitender Coach muss sich daher nach jedem Coaching selbst hinterfragen, inwieweit es ihm gelungen ist, seinen Klienten – wenn auch am Anfang erst mal ansatzweise – nicht nur zum Reden, sondern auch zum inneren Erleben gebracht hat. Verhalten ist die Folge von persönlichen Einstellungen, Gedanken, Emotionen, Routinen und verlangt eine ganzheitliche Betrachtung. Diese inneren Wahrnehmungen bewusst machen, ist der erste Schritt für eine zielführende Verhaltensänderung. Hilfreich hierzu sind weniger Tools, wie sie häufig in der Literatur zu finden sind, sondern mit Intuition im richtigen Moment den richtigen – und meist auslösenden – Satz zu sagen oder richtige Frage zu stellen. Und das erfordert eine andere (Lebens-)Schule.

Ein Coach, der vor allem über eine solide psychologische Ausbildung verfügt, über permanente Weiterbildung im Bereich Selbsterfahrung, in gruppen- und psychodynamischen Prozessen seine eigene Persönlichkeit weiter entwickelt und weder Angst vor eigenen noch andersartigen Gefühlen hat. Eben das, was das 'Mensch-Sein' ausmacht und ihm erlaubt seine Klienten zu begleiten – für

authentische, präsente und sozialkompetente Führungskräfte, für eine bessere Arbeitswelt. Dann können auch die (dennoch) notwendigen Tools und Instrumente ihre volle Wirkung entfalten.

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